Meine Top 10 Equalizer Plugins


Im Arsenal eines Tontechnikers findest Du Unsummen verschiedenster Plugins. Da sind gut und gerne 20 Equalizer, 15 Kompressoren und unzählige weitere Effekte für Dies und Das im Plugins Ordner. Manche sind Leichen die er nicht mehr braucht, doch er hat immer einen gewissen Pool an Effekten die er dauernd benutzt. Und das sind nicht Wenige. Weshalb beschränkt er sich nicht auf Eins oder Zwei und macht alles mit Diesen?

In Wirklichkeit ist es so, dass man viele spezialisierte Plugins mit den bordeigenen Mitteln einer DAW nachmodellieren kann. Das geht aber auf Kosten der Zeit. Wenn ich mit dem Logic internen Kompressor und EQ den Sound des «LA2A» Plugins nachempfinden möchte, brauche ich gut und gerne 15 Minuten. Mit dem Plugin schaffe ich die Bearbeitung in unter einer Minute.

Zusätzlich muss man bedenken, dass die Entwickler dieser Plugins sich sehr intensiv mit dem Sound des jeweiligen Models auseinandergesetzt haben. Bevor ich den Frequenzverlauf eines «Manley Massive Passive» nachmodellieren kann, muss ich mich zuerst mit der Elektronik und dem Ansprechverhalten des Originals auseinandersetzten.
Da nehme ich lieber die Emulation.

Wenn ich beispielsweise seidige Höhen brauche greife ich nach dem «Pultec» oder dem «Maag EQ4». Brauche ich Bass nehme ich den «Millennia NSEQ-2» oder den «Voice Of God». Jeder hat seinen eigenen Charakter und sein Einsatzgebiet.

 


Die 5 chirurgischen Equalizer

Unter chirurgischen Equalizern verstehe ich Entzerrer, mit denen ich störende Frequenzen herausfiltern kann. Meistens benutze ich Notch- oder schmalbandige Fillter um gezielt Resonanzen zu entfernen. Sehr selten benutze ich diese Equalizer um Frequenzbänder anzuheben.

 

Cambridge EQ

Der Cambridge EQ der UAD Karte ist das erste Plugin, welches ich gekauft habe. Man kann kaum leugnen, dass sich die Investition in das bald 20 jährige Plugin gelohnt hat. Ich brauche es immer noch und möchte es nicht missen. Der EQ klingt relativ hart, hat aber unglaublich viele Low- und High-Cut Filtertypen. Um ein Instrument schnell in der Frequenz anpassen zu können ist das Plugin ideal. Es lügt nicht und ist zuverlässig.

 

Oxford EQ

Der Oxford EQ der Firma Sonnox ist noch älter als der oben genannte Cambridge EQ. Der Oxford EQ wurde für die ersten grossen Sony Digital Mixer entwickelt. Er klingt viel weicher als das Pendant von Universal Audio und ich brauche ihn oft um die Mitten zu bearbeiten. Dieser Equalizer ist einer der wenigen chirurgischen, den ich zum anheben von Frequenzen benutze.

 

ProQ 2

Als der ProQ 2 Equalizer von Fabfilter veröffentlicht wurde, konnte ich meinen Augen nicht trauen. So viele Features um das Signal zu bearbeiten. Ausserdem ist das User Interface so intuitiv und ansprechend. Eine neue Generation von Equalizern. Wenn man schnell zum Ziel kommen möchte ist dieser EQ das Werkzeug das man braucht. Manchmal verliert man sich aber in der Unendlichkeit der Möglichkeiten.

 

MDWEQ5 + MBDWEQ3

War ich froh als der Equalizer von George Massenburg endlich auch für die UAD Plattform erschien. Der exklusiv für ProTools entwickelte Equalizer habe ich in so vielen anderen Studios gehört und hatte mir mehr als ein mal überlegt ob ich wegen dieses Plugins auf die andere DAW umsteigen soll. George Masseburgs (Erfinder des parametrischen Equalizers) MDWEQ5 soll eine Emulation des berühmten und nicht mehr hergestellten Equalizers GML 8200 sein. Ich kann das nicht beurteilen, da ich nie einen GML 8200 benutzen durfte. Ich kann aber sagen, dass dieser EQ, nebst den Algorhythmix EQs, das cleanste und nichtfärbenste Equalizer Plugin ist, welches momentan auf dem Markt erhältlich ist.

bx_dynEQ V2

Mit dem bx_dynEQ V2 von Brainworx wurde ich anfangs einfach nicht warm. Ich habe das Demo beim Erscheinen der Plugins intensiv getestet und konnte mich einfach nicht anfreunden. Als sich später Brainworx mit weiteren Herstellern wie SPL, Millennia, Vertigo uvm. zusammen tat und den Vertrieb «Plugin Alliance» gründete, konnte man die Demos nochmals freischalten. Ich konnte das Plugin also Jahre später nochmals begutachten und war hin und weg von den Möglichkeiten. Es ist ein kompliziertes Plugin und man muss im Vornherein genau wissen was man tun möchte, doch als hochspezialisierter dynamischer EQ ist er unschlagbar.

 


 

Die 3 färbenden Equalizer

Diese Equalizer sind in erster Linie Emulationen existierender Hardware. Die Geräte wurden für ganz bestimmte Zwecke entwickelt und haben alle einen sehr eigenständigen Charakter. Mann muss die Plugins genau kennen und wissen wofür sie gemacht wurden. Keines dieser Plugins ist die «Eierlegende Wollmilchsau». Ganz im Gegenteil. Doch wenn man sie in ihrer jeweiligen Königsdisziplin antreten lässt, sind sie unschlagbar.

 

Über den Pultec muss man eigentlich gar nicht sprechen. Jeder kennt ihn, jeder will ein Original haben, keiner kann ihn sich leisten. Der passive Equalizer wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt und wurde in erster Linie für die Bearbeitung der Stimme im Braodcasting benutzt. Das Gerät beschränkt sich auf drei Bänder.

  1. Ein Bass Band, welches man absenken und anheben kann
  2. Ein breites Mitten Band, welches man nur anheben kann
  3. Ein High-Shelf Filter mit drei fixen Frequenzen, die man nur absenken kann

Die Kurven der Filter sind sehr charakteristisch und geben dem Material einen ganz bestimmten Vintage-Touch.

 

Dangerous Music BAX

Als der Baxandall Equalizer von Dangerous Music als Plugin erschien, dachte ich: «Schon wieder ein unnötiges Plugin, welches nur digitalisiert wurde um den Brand bekannt zu machen». Schande über mich!
Ich hatte die Hardware des BAX EQs im Studio und ich konnte den EQ mit dem Clariphonic vergleichen, für den ich mich dann auch letztendlich entschieden hatte. (Hier kannst Du Dir das Testvideo anschauen). Was kann der BAX, was ein normaler EQ nicht kann?
An einem freien, verregneten Sonntag nahm ich mir die Zeit ein paar Demos auszuprobieren. Unter anderem schaltete ich den BAX für 14 Tage frei. Als ich mit ihm herumspielte fiel mir die Tightness der Filter auf. Sie gefielen mir sogar besser als bei der Hardware. Für mich gab es keinen Zweifel. Beim nächsten Black Friday musste das Plugin auf den Rechner.

 

Maag EQ4

Der Maag EQ4 ist ein sehr spezieller Equalizer. Die Frequenzen seiner semiparamertischen Regler befinden sich alle auf demselben Grundton. Dieser liegt zwischen einem D# und einem E. Deshalb ist er für «Schrumm-Gitarren» sehr geeignet. Er glänzt aber vor allem durch sein Air Band. Ich weiss nicht wie sie das gemacht haben, aber dieser Regler fügt dem Signal einen unglaublich seidigen «Luft» Anteil hinzu. Dieser EQ ist eine Option zu meinem Clariphonic, falls ich die Hardware beim Mixing schon auf einer anderen Spur eingesetzt habe.

 


Die 2 Spezialisten

Diese Equalizer sind für ganz bestimmte Zwecke desingt. Sie sind Helfer in der täglichen Arbeit und gehen meistens ungewohnte Wege um das Signal zu bearbeiten. Von diesen «Boutique Plugins» gibt es jede Menge von zahllosen Herstellern. Sich im Dschungel zurecht zu finden ist manchmal schwer.

 

Voice Of God

Der VOG der Firma Little Labs kann ich als «Lupe für den Bassbereich» beschreiben. Es handelt sich um ein Low Cut Filter mit einer Überbetonung an der Trennfrequenz. Die mit diesem Equalizer bearbeiteten Signale klingen warm und voll. Es besitzt nur zwei Regler, welche weder mit Frequenzen noch mit Amplituden angeschrieben sind. Man muss wirklich hören was man macht. Doch dieses Plugin macht es einem einfach. Man kann nichts falsch machen.

 

bx_refinement

Das bx_refinement ist ein sehr spezialisiertes Mastering Instrument. Das Filter mit einer fixen Frequenz um 3.2kHz entfernt die sogenannte «Harshness» im Signal. Obwohl das Plugin für die Stereo-Summe entwickelt wurde, setze ich es bei allen möglichen schrillen Signalen ein. Die Kontrolle über die Dynamik der Absenkung und die Möglichkeit das Signal zu blenden sind nur ein paar der Features des Plugins.