Meine Top 10 Kompressor Plugins


Der Kompressor ist nebst dem Equalizer das wichtigste Werkzeug für die Audiobearbeitung. Das liegt daran, dass er sehr vielseitig einsetzbar ist und sehr viele verschiedene Arbeiten verrichten kann. Man kann Kompressor Plugins benutzen um

  1. Die Transienten (Anschläge, Peaks) zu zähmen
  2. Die Dynamik eines Signals zu erhöhen
  3. Verschiedene Audioquellen zusammen zu kleben («Glue»)
  4. Ins Stereobild einzugreifen
  5. Sound zu machen und Groove zu erzeugen

 

Doch die meisten Kompressoren wurden für ganz explizite Anwendungen entwickelt und haben genau an dies Stellen ihre Stärken. Man kann allgemein feststellen, dass die Emulation eines alten Hardwaregerätes keine «Eierlegende Woll-Milch-Sau» ist, sondern eher ein «One Trick Pony». Dafür dort ungeschlagen.

Es gibt aber auch Kompressoren, welche für die digitale Domain entwickelt wurden und keine Zwillingsgeschwister in der realen Welt haben. Beispiele sind der «Pro-C2» von «Fabfilter» oder den «C1» von «Waves». Jede DAW hat solch einen Kompressor mit an Bord. Diese Kompressoren haben meistens mehr Parameter und zudem zusätzliche Routing Möglichkeiten.

Die Kunst der Kompressor Wahl liegt darin, die verschiedenen Charaktere zu kennen um diese gezielt einsetzten zu können. Das setzt aber voraus, dass man mit den Plugins übt. Du kannst enorm viel Zeit sparen, wenn Du auf Anhieb das richtige Werkzeug zur Hand nimmst.

 


 

Die berühmtesten Vertreter der FET Kompressor Sektion sind die Units der 1176 Serie. Ursprünglich von UREI entwickelt, gibt es heute Unmengen an Klonen (Warm Audio, Purple Audio, Drawmer, etc.) und Emulationen ( Waves, Softtube, Universal Audio, uvm).

Die Spezialitäten dieses Kompressors sind die schnellen Attack- und Release Zeiten und die verschiedenen Ratio Modi. Der Kompressor kann von moderaten 4:1 (teilweise 2:1) bis zum «All Buttons Mode», mit bis zu 20:1 und sehr seltsamen Attack- und Release Zeiten, aufwarten.

Der 1176 ist ein Klassiker der in jedem Studio zuhause ist und keine Genre Grenzen kennt.

 

1176 Rev A – Blue Stripe

1176 A Blue Stripe

Die Revision A des 1176 Kompressors ist das älteste emulierte Gerät von Universal Audio. Das Unit färbt stark und hat eine Überbetonung in den hohen Mitten, was sehr knackig tönt und das Signal sehr «amerikanisch» klingen lässt. Ich benutze diesen Kompressor gerne auf Gitarren und auf Instrumenten, die eine schnelle Einschwingzeit (Attack) haben.

 

Urei 1176 Rev E – Black Face

1176 LN Black Face

Die Revision E ist das klassischste Unit der 1176 Serie. Es klingt sauberer als die Revision A und tönt offener. Ich benutze diesen Kompressor, wenn ich den FET Charakter suche und trotzdem nicht eine all zu grosse Farbe dem Audiosignal aufdrücken möchte.

Die Rev E ist meiner Meinung nach der vielseitigste Kompressor der 1176 Gruppe.

 

1176 AE -Anniversary Edition

1176 AE Anniversary Edition

Die Anniversary Edition ist das neueste Unit und wurde 2008 von Universal Audio auf den Markt gebracht. Die Eigenheiten sind:

  • Die moderatere Ratio von 2:1 gegenüber der gängigen 4:1 Ratio
  • Eine zusätzliche langsame Einstellung für den Attack

Der 1176 AE wurde speziell für die Komprimierung der Stimme entwickelt und hat deshalb sanftere Einstellungen zur Auswahl. Alles in allem ist der 1176 AE das sauberste Gerät und ich brauche es wenn ich leicht in ein Signal eingreifen möchte, ohne es all zu sehr zu stauchen und zu färben.

 


 

 

Der LA-2A ist der Vocal Kompressor schlechthin. Viele sehen dieses Gerät als die Mutter aller Kompressoren, die unangefochtene Nummer 1.

Ausgestattet mit einer Fotozelle und einem Röhrenverstärker, wartet er mit einer signalabhängigen Kompression auf. Die Ratio ist fix auf 2:1 eingestellt und das Unit besitzt lediglich zwei Regler. Der Eine steuert den Threshold , der Andere holt die zuvor komprimierte Lautstärke wieder auf. Somit ist der LA-2A der am einfachsten zu bedienende, benutzerfreundlichste Kompressor auf dem Markt.

1965 von der Firma Teletronix entwickelt, avancierte der LA-2 zum Weltstandard. Mittlerweile gibt es verschiedene Revisionen, vom «LA-2» über den «LA-2A» und den «Silver Face LA-2A».

Auch von diesem Kompressor gibt es unzählige Klone (Warm Audio, Tegeler Audiomanufaktur, Tube-Tech, etc.) und Plugins (Native Instruments, Universal Audio,Waves, uvm).

 

LA-2

LA 2

Der LA-2 ist das älteste Unit von allen. In den früher 1960er Jahren von Jim Lawrence entwickelt, war er der erste Kompressor der eine Fotozelle zur Steuerung der Dynamik benutzte. Die Folge dieser Technik sind die langsamen Attack Zeiten, die dem Unit seine Transparenz verleihen.

Der LA-2 hat die langsamste Einschwingzeit dieser drei Opto Kompressoren und ich brauche ihn gern in Legato-Passagen wie zum Beispiel Pads, Streicher und Hörner. Er färbt sehr schön und gibt dem Signal ein Vintage Feeling.

 

LA-2A – Grey

LA 2A Grey

Der LA-2A von Jim Lawrence ist der Klassiker unter den drei Versionen. Er wird seit den 1960er Jahren weltweit in den renommiertesten Studios benutzt.

Das Gerät hat eine mittlere Einschwingzeit und ist nicht so stark färbend wie der LA-2, trotz dem Retro-Vibe, welches es dem Audiofile hinzufügt.

Ich benutze diesen Kompressor, wenn ich einem Signal eine eigene Farbe geben möchte, ohne allzu stark in den Klang einzugreifen.

 

LA-2A Silver Face

LA-2A Silver Face

Der «LA-2A Silver Face» ist die aktuelle Version des optischen Kompressors. Der vom Bill Putman (Universal Audio) in den späten 1960er Jahren entwickelte Kompressor ist der verbreitetste Vertreter dieser Gattung.

Dieser Kompressor ist der vielseitigste dieser drei vorgestellten Units und eignet sich sowohl zur Komprimierung von Einzelspuren, wie auch zum Bearbeiten von Subgruppen wie Drum- und Percussion Busse.

Ich setzte diesen Kompressor gerne auf Sprechgesang und High Energy Vocals an.

 


 

Die 2 VCA Kompressoren

Der VCA Kompressor ist der sauberste und linearste Kompressor auf dem Markt. Die «Spannungskontrollierte Verstärkung (VCA)» ist die meistverbreitete Transistorschaltung für Kompressoren auf dem Markt, da man diese am universellsten einsetzen kann.

Ich brauche diese Gattung von Kompressoren vor allem zur Komprimierung von Subgruppen und auf dem Master Buss.

Vertigo VSC-2

Vertigo VSC-2

Der Vertigo VSC-2 ist eine sehr mächtige Maschine. Er ist eigentlich zu meinem absoluten Liblingskompressor avanciert. Er ist sehr universell einsetzbar und hat einen unverfälschten, transparenten und trotzdem warmen Sound. Wenn ich mich für einen Kompressor entscheiden müsste, ich würde den nehmen.

Den Vertigo benutze ich gerne auf komplexen Signalen und fürs Mastering.

 

SSL Bus Compressor

SSL Bus Compressor

Der SSL G-Series Bus Compressor ist der eingebaute Master Kompressor des SSL 4000 Pultes. Die mittlerweile in verschiedenen Ausführungen (G-Series, Mynx, etc.) von verschiedenen Herstellern (SSL, Serpent Audio, TK Audio, uvm). Der Kompressor ist nicht so sauber wie der Vertigo und besitzt kein Sidechain Filter um die Bässe im Steuersignal abzusenken, was für mich zu einem Bus Kompressor einfach dazu gehört.

Ich benutze ihn gerne für die parallele Kompression und für nicht all zu basslastige Subgruppen.

 


 

Der Fairchild Kompressor

Der Fairchild Kompressor ist der heilige Gral der Kompressoren. Das in den frühen 1950er Jahren entwickelte, mit 20 Röhren ausgestattete und über 30kg schwere Gerät, ist wohl der meistgewünschte Kompressor überhaupt.

Zwar gibt es heutzutage gute Nachbildungen (Mode Machines, ADL) des Kompressors doch der Preis ist so hoch, dass nur sehr gut betuchte Studios sich dieses Unit leisten können. Deshalb ist auch dieser Kompressor von verschiedenen Firmen (Universal Audio, Waves, Nomad Factory, uvm) emuliert worden.

 

670 + 660

Fairchild 670 + 660

Der röhrige Klang dieses Kompressors ist einzigartig. Viele grosse Bands wie Pink Floyd und die Beatles haben mit diesem Unit ihren Sound geprägt. Der auf der Vari-Mu Schaltung aufgebaute Kompressor wurde seinerzeit für die finale Bearbeitung des Stereofeldes, vor dem Vinyl-Schnitt, eingesetzt. Heute verwendet man ihn überall, wo einen gewissen Anteil «Magie» von Nöten ist.

Ich setze ihn gerne auf basslastigem Material und auf Mix- und Master Bussen ein.

 


 

Der «digitale» Kompressor

Der digitale Kompressor hat kein Vorbild in der realen Welt und ist explizit für die DAWs entwickelt worden. Diese Kompressoren warten mit viel mehr Parametern, Sidechain, M-S, Soft Knee uvm. auf.

Sie machen sich gut auf Signalen, die nur mathematisch dynamisch eingegrenzt werden müssen. Sie sind meist sehr sauber und fein einzustellen.

 

Pro-C2

Pro-C2

Der Pro-C2 von Fabfilter ist ein Wunderwekzeug. Es gibt fast nicht, was dieser Kompressor nicht kann. Er ist zwar sehr komplex, doch die Haptik und das Layout sind so ansprechend, dass sogar ein Anfänger sehr schnell mit ihm zurecht kommt. Du siehst genau, was der Kompressor macht und hast die volle Kontrolle über jeden Parameter.

Ich verwende ihn für alle Sidechain Anwendungen, und wenn ich einen unverfälschten Sound haben möchte.