What’s on your Mixbus?


Während den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte man noch keine Mehrspuraufnahmen machen. Erst Mitte der 60er wurde diese Technik zusehends populär. Das heisst, dass damals der Recording-/Mixing Engineer vor allem schon bei der Aufnahme eine zufriedenstellende Balance zwischen den Instrumenten herstellen musste. Er hatte eins, höchstens zwei Mikrofone zur Verfügung und musste mit ihnen einen funktionierenden Mix abliefern.

Es kam deshalb nicht selten vor, dass die Platzierung der Instrumente während der Aufnahme von der tatsächlichen Bühnenaufstellung abwich. Die Distanz zum Mikrofon war für die Lautstärke ausschlaggebend. Das Bühnenbild war irrelevant.

 

Alte Musikaufnahmetechnik
Alte Musik-Aufnahmetechnik

 

Es war nur noch möglich mit Hilfe von Effektgeräten die Musik, auf der aufgenommenen Mono-oder Stereospur, zu verbessern.

 

Die Mehrspuraufnahme

Erst Jahre später hatte der Recording Engineer die Möglichkeit mehrere Spuren simultan zu benutzen. Die Beatles beispielsweise hatten einen Vier-Spur-Recorder. Der Produzent George Martin nahm jeweils je eine Instrumentengruppe auf drei verschiedene Spuren auf, mischte diese zusammen und überspielte sie auf die vierte. Somit hatte er wieder zwei Spuren frei um einzelne Instrumente oder Stimmen aufzunehmen. Auch diese mischte er wieder mit den zuvor überspielten Spuren auf die verbleibende Spur ab und wiederholte den Vorgang, bis der Song komplett war. Natürlich musste er aufpassen, da das Rauschen mit jeder Überspielung grösser wurde. Zudem wurden die Signale bei mehrmaligem überspielen leiser. Somit musste man zuerst aufgenommene Instrumente lauter mischen als die später hinzugekommenen.

 

Beatles Mix Technik
Beatles Mix Technik

 

Ein kleiner Zeitvertreib für zwischendurch…

Hier kannst Du virtuell in den Abbey Roads diese Technik anwenden. Kommst Du an Gorge Martins Mixe heran?


Ein kleiner Zeitvertreib für zwischendurch... Hier kannst Du virtuell in den Abbey Roads diese Technik anwenden. Kommst Du an George Martins Mixe heran?

 

Der Workflow

In den Ursprüngen des Recordings fokussierte man sich immer aufs Resultat und zäumte das Pferd von hinten auf. Der Mixbus war das Wichtigste und man arbeitete eher im Rückwärtsgang.
Heute sehe ich bei angehenden Produzenten und Studiobetreiber, dass sie jede Spur, jedes Instrument und jeden Sound isoliert abhören, putzen und polieren. Sie verlieren sich im Detail und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, respektive verlieren den Gesamtmix aus den Augen.
Auch ich habe lange Spur- statt Mixbus basiert gearbeitet. Seit ich aber den Portico Master Bus Prozessor II besitze, benutze ich diesen auf der Stereosumme. Seit neustem wurde er vom Crème Master Bus Prozessor abgelöst. Dieser hat mehr Equalizer Optionen und einen anderen Sound. Wahrscheinlich werde ich je nach Genre oder Mix auf den einen oder den anderen zurückgreifen

 

Wie sieht das in der Praxis aus?

Wenn ich Masters von professionell abgemischten Tracks und Alben machen muss, benutze ich selten einen Kompressor.
Mixing Engineers, die mit einer analogen Konsole mischen, haben sowieso einen Mixbus Kompressor auf dem Stereo Master Kanal. Wie beispielsweise ein SSL Pult den G-Bus Kompressor bereits eingebaut hat. Oder sie schlaufen noch einen Kompressor und einen Equalizer in den Mixbus ein. Beliebt sind der API 2500 oder der Vertigo VSC-2, dazu einen Pultec oder Baxandall EQ.

 

Universal-Audio-610-Console
Universal Audio 610 Konsole

 

Probiere bei deinem nächsten Mix folgenden Arbeitsablauf:

  1. Ziehe die Spuren in deinen Sequenzer und kontrolliere die Phasen aller Tracks.
  2. Mische die Spuren nur mit Hilfe des Lautstärke- und des Panoramareglers. Der Mix sollte nun schon ziemlich gut funktionieren
  3. Lade dir einen Bus-Kompressor und einen EQ (Baxandall, Pultec, Maag EQ, etc.) in deine Master Spur und stimme die Parameter auf das Audiomaterial ab.
  4. Fange beim Kompressor bei 30ms Attack und 0.1s Release an, bei einer Reduktion von 1.5 dB (Threshold) auf dem VU Meter und einer Ratio von 1:1.5.
  5. Mit dem Shelf-Filter des Equalizers hebst Du mit die Höhen (10-12kHz) und die Bässe (60-80Hz) um 1-2 dB an. Das sind gute Startpunkte für die Bearbeitung des Mixbuses.
  6. Von da aus kannst du den Mix «tweaken» bis er schlüssig ist. Beispielsweise kannst Du nach Bedarf die mulmigen Frequenzen um 200-400Hz absenken oder bei 3kHz mehr Präsenz geben.
  7. Versuche auch die Reihenfolge der Prozessoren zu ändern. Ist der Equalizer vor dem Kompressor geschaltet brauchst Du den EQ eher um den Sound zu säubern, damit der Kompressor störende Frequenzen nicht allzu stark anhebt. Schaltest du den Equalizer nach dem Kompressor wirst Du ihn eher zum ausbalancieren von Frequenzunebenheiten benutzen.
  8. Zäume das Pferd von hinten auf und arbeite dich vom Mixbus her langsam rückwärts in die einzelnen Spuren hinein. Falls Du das Gefühl hast, dass Du bei einem Instrument die Dynamik oder den Frequenzgang verändern musst, tu das und kehre wieder zum Mixbus zurück.
  9. Verliere nie den Mix aus den Augen respektive den Ohren.

 

Mixbus first!

Seit ich mit der «Mixbus zuerst» Technik arbeite, bin ich schneller am Ziel, die Mixes klingen nicht steril und die Energie stimmt vom Anfang bis am Schluss.

Mixbus Bearbeitung hat nichts mit Mastering zu tun, sondern konzentriert sich ganz alleine auf den Klang und die Einheit des Tracks. Ein Limiter gehört meines Erachtens beispielsweise nicht in den Mixbus. Klar kannst Du mal den Limiter einschalten, um zu hören wie der Mix laut klingt. Das mache ich ja auch, aber vermeide es in einen eingeschalteten Limiter zu mischen.

Ich empfehle gerne einen Mixbus Prozessor als Hardware. Der klingt anders und gibt deinem Mix einen eigenen Fingerprint. Kandidaten für deinen Mixbus sind:

 

Kontaktiere mich hier für das Mixing deiner Tracks!