SPL Iron Mastering Kompressor in Aktion


Bei der Suche nach einem Ersatz für meinen nicht gesteppten Manley Vari Mu Kompressor, bin ich über den SPL Iron gestolpert. Gestolpert kann man eigentlich nicht sagen, denn ich habe das Unit seit seinem ersten erscheinen auf der Musikmesse 2015 sehr genau beobachtet.

Mir hat schon die Optik gefallen und die Auswahl der verschiedenen «Rectifier» hat mich sehr an die verschiedenen Transformertypen des Shadow Hills Mastering Kompressors erinnert (Was aber totaler Blödsinn war, was sich im Nachhinein herausstellte).

Ich machte mich also gefasst auf ein Arbeitstier welches jedes andere Gerät jeglicher Konkurrenz, dank seiner 120V Technik, in Sachen Headroom um Längen schlägt.

 


 

Erster Eindruck

Der SPL Iron ist ein solides 19 Zoll Gerät. Mit seinen drei Höheneinheiten und seinem Gewicht von 11kg beansprucht er einen Ehrenplatz im Tonstudio.  Die schwarze Version sieht bullig aus und scheint einen Sturz aus einem Hochhaus überleben zu können. Die Drehregler liegen gut in der Hand und man braucht eine gewisse Kraft um sie umzuschalten.

Die Bedienung

Ungewöhnlich ist, dass bei gelinkten Kanälen die rechte Seite beide Kanäle des Kompressors steuert. Normalerweise steuert man gelinkte Kanäle von der linken Seite aus. Weshalb SPL das so gemacht hat bleibt ein Rätsel. Vielleicht will ein spezielles Unit auch speziell bedient werden.

Nicht alle Regler sind bei gelinktem Zustand gekoppelt. Die Input-/ Output-Sektion und die «Tube Bias» Kippschalter müssen bei jedem Kanal unabhängig eingestellt werden.

 

Attack/Release

Die gerasterten Drehschalter der Ein- und Ausschwingzeit haben sechs Positionen. Diese sind nicht mit fixen Werten beschriftet, da sie sehr abhängig von der Schaltung der Gleichrichter sind.

 

Rectifier

Der «Rectifier» Drehschalter ist einmalig in der Audiohardware Welt. Dieser Parameter steuert die Kapazität der Gleichrichter die im Kompressor verbaut sind.  Je nach eingestellten Werten verändern sich die Attack- und Release-Zeiten gewaltig. Von 0.1ms bis 220ms Einschwing- und von 20ms bis 5000ms Ausschwingzeit.

 

Sidechain Filter

Die fünf Kurven des Sidechain Filters sind sehr seltsam gewählt. Mit einer Ausnahme sind alle Filterkurven in den Bässen angehoben. Das ist jedoch genau das, was ich vermeiden möchte, da die Bässe viel mehr Energie brauchen und deshalb den Kompressor viel stärker ansprechen. Jeder andere Mastering Kompressor verfügt über einen Low-Cut Filter. Meistens liegt er bei 100Hz. Es gibt aber auch Low-Cuts zwischen 60Hz bis 250Hz je nach Hersteller. Dass aber bei 2500Hz 19dB abgesenkt wird, habe ich nur in extremen Fällen gehört. Da muss schon ein grober Fehler im Audiomaterial vorkommen, damit man solche Einstellungen tätigen muss.

Beim Ausprobieren der Sidechain Filter ist mir jedoch ihre Musikalität aufgefallen. Ich glaube nicht, dass man sich auf die Sidechain Frequenzen stützen soll. Da geht es eher darum, dem Song eine gewisse Würze zu geben.

Trotzdem, hier die Frequenzkurven der Sidechain Filter:

Tube Bias

Die «Tube Bias» Kippschalter versorgen, je nach Einstellung, die Röhren mit unterschiedlichen Spannungen. Die drei Werte Low, Mid und High beschreiben die Stärke der Kompression, die je nach Spannung erhöht wird. Durch das heissere Anfahren der Röhren, wird auch die Sättigung erhöht und somit auch die Färbung des Audiomaterials.

 

Input/Output

Die Input- und die Output-Sektion sind jeweils in 2dB Schritten gerastert. Das ist für mich leider ein wenig zu grob. Wenn ich mit dem Kompressor 1dB komprimiere, kann ich diesen Wert nicht aufholen. Entweder bin ich zu leise oder zu laut. Das macht eine lautheitskompensierte Abhörsituation relativ schwierig.

 

Fazit

Der SPL Iron war nicht wie erwartet die eierlegende Wollmilchsau.  Ich hatte unbegrenzte Möglichkeiten erwartet, was jedoch nicht der Fall ist. Der Kompressor hat eine lange und steile Lernkurve und ich sehe ihn als alleinstehender und konkurrenzloser Soundmacher. Als cleanen Mastering Kompressor, bei dem man auch mal mit höheren Schwellwerten abreiten möchte, ist er nur bedingt geeignet. Bei manchen Tracks passt er wie die Faust aufs Auge, bei anderen greift keine der unzähligen Einstellungen. Er glänzt aber bei hochdynamischen Tracks und bei basslastiger Tanzmusik.

Die Tube Bias und die Roll Off/AirBas Einstellungen werten das Unit sehr auf und können dem Audiomaterial genau das gewisse Etwas geben, das den Track auf ein höheres Level bringt.