Sidechain Kompression mit UAD


Letzthin war ich bei einem Musikkollegen Zuhause und wir haben über Gear und Plugins gequatscht. In den letzten Jahren hat sich die Qualität der Prozessoren enorm gesteigert. Vor allem im Bereich der klassischen Hardware Emulationen. Spitzenreiter war unserer Ansicht nach Universal Audio.

Doch etwas vermissen wir an diesen Plugins. Dies auch, weil die Originale dieses Feature ebenfalls nicht besitzen. Die Rede ist vom Sidechain Eingang.

Wäre es nicht cool, wenn du Kompressoren wie den 1176, den LA-2a oder einen allen anderen Emulationen als Sidechain Kompressor benutzen könntest?

Wie wir das Problem lösten, siehst du in diesem Video.

Frequenzabhängige Mono-Sidechain-Kompression

Wenn in einem Audiosignal eine Frequenz zu schrill klingt, kannst du diese mit einer Sidechain-Kompression zähmen.

Dazu hebst du beim Triggersignal die Überbetonung mit einem Equalizer an. Normalerweise würdest du nun die Spur kopieren, einen Kompressor darauf packen und als Sidechain-Triggersignal das Bearbeitete Signal benutzen.

Mit unserer Technik löst du dieses Problem in dem du einen Bus und zwei Helfer Plugins verwendest.

  1. Die verwendete Stimme hat eine Überbetonung bei ca. 3kHz. Bei ihr hebst du dieses störende Frequenzband um satte 9dB an.
    Fabfilter Pro Q3
    Fabfilter Pro Q3
  2. Den Clip kopierst du nun auf eine neue Spur und senkst diese um 10dB ab.
  3. Nun legst du die lautere, bearbeitete Spur ganz links ins Panorama, die leisere, unbearbeitete ganz nach rechts.
  4. Diese beiden Spuren fasst du mit einem Bus zusammen. Jetzt hörst du auf dem linken Kanal die lautere Spur und rechts die leisere.
  5. Nun schicken wir das Signal durch einen Kompressor, der keinen Sidechain Eingang besitzt und dessen Stereo-Kanäle gelinkt sind. Gelinkt bedeutet, dass der linke und der rechte Kanal exakt gleich vom Kompressor bearbeitet werden. Das verhindert unter Anderem ein Wandern der Stereomitte. Da das Signal auf der linken Spur lauter ist, triggert dieses den Kompressor. Die leisere Spur rechts wird identisch komprimiert, also mit einer Überbetonung bei 3kHz, ohne dass diese tatsächlich angehoben wurde.
    LA-2a Kompressor
    LA-2a Kompressor
  6. Jetzt brauchen wir noch ein Plugin, das uns nur den rechten Kanal abhören lässt und eines, welches das Signal in die Mitte setzt. Jede DAW besitzt solche Helferlein. Ansonsten gibt es auch Freeware, von Plugin Alliance zum Beispiel.
    Gain Plugin
    Helper Plugin

Das Signal muss noch um die zuvor abgesenkten 10dB lauter gemacht werden und fertig ist die Sauce.

Der Gesang wirkt jetzt viel weicher und gedämpfter, da die harschen Frequenzen den Kompresssor härter ansprechen und somit stärker bearbeitet werden.

Stereo Ducking

Diese Technik kannst du auch bei Stereosignalen anwenden. Du musst nur jede der beiden Stereospuren selbst separat bearbeiten. In unserem Beispiel verwenden wir eine Bassdrum und ein Pad.

  1. Das Pad setzt du mit dem Balance Regler ganz nach Links, die Bassdrum Ganz nach rechts, wobei diese lauter sein muss.
  2. Diese beiden Spuren Renderst du nun in ein Stereofile.
  3. Dasselbe machst du für den rechten Kanal, in dem du das Pad rechts, die Bassdrum links setzt und renderst diese beiden Spuren auch.
  4. Nun importierst du diese beiden Stereofiles und packst einen Kompressor auf die erste Spur. Da die Bassdrum den Kompressor triggert, wird das Pad nun geduckt.
    Chandler Zener Limiter
    Chandler Zener Limiter
  5. Dieselben Einstellungen verwendest du für die zweite Spur.
  6. Nun stellst du die erste Spur ganz links ins Panorama und die zweite ganz rechts. Jetzt hast du ein schön geducktes Pad für deine Dance-Produktion mit einem färbenden Kompressor ohne Sidechain Funktion.

Fazit

Um klassische Hardware Emulationen als Sidechain Kompressoren zu missbrauchen, ist diese Technik sehr sauber und einfach. Gegenüber der gängigen Sidechain Kompression brauchst du lediglich einen weiteren Bus. Diese Art von Bearbeitung kannst du natürlich auch im Live Bereich verwenden um mit einer Bassdrum den Bass zu ducken oder mit der Gitarre den Synth.