Saturation mit dem Plugin Aroma


Beim Mastering wie auch beim Mixing sind Saturation Tools sehr beliebt. Diese Plugins darf man sich wie die Sättigung in einem Bildbearbeitungsprogramm vorstellen. Ihre Aufgabe ist es, die Farb-Intensität des Bildes zu steigern. Genauso funktioniert ein Saturations-Plugin in deiner DAW. Es macht den Sound dicker ohne allzu stark in die Dynamik einzugreifen.

Als man früher noch auf Band aufgenommen hat, war diese Sättigung ein Nebeneffekt. Da man den Rausch-Abstand so klein wie möglich halten will, fährt man das Band sehr heiss an. Das bedeutet, dass man mit sehr hohen Pegeln aufnimmt (was Du in heutigen digitalen Produktionen vermeiden solltest). Dabei ist es möglich, dass gewisse Spitzen eines Signals in den roten Bereich kommen und teilweise sogar übersteuern.

Das Band kann aber nur eine gewisse Anzahl an Informationen aufnehmen. Ist diese Grenze erreicht ist es gesättigt und Du kannst nicht mehr lauter einpegeln. Die überschüssige Lautstärke wird in das schon volle Band hinein gedrückt und es entsteht ein Art Kompression. Da die Sättigung eines Bandes nicht sofort eintritt, sondern erst gegen Ende der Skala langsam einsetzt, wirkt diese Bearbeitung sehr musikalisch und dynamisch. Zusätzlich entstehen harmonische Verzerrungen, die das Signal mit Frequenzen der natürlichen Obertonreihe anreichern. Diese Verzerrungen machen sich die Saturations-Plugins zu nutze.

Natürlich gibt es auch Hardware die Bandmaschinen simulieren. Zum Beispiel den Fatso der Firma «Empirical Labs» oder den AD/DA Wandler HEDD von «Cranesong». Da der HEDD bei Mastering Engineers rund um den Globus sehr beliebt ist, machten Thomas Rehaag und Markus Medau dessen Struktur und Klang zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit an Aroma.

Dabei ist ein eigenständiges Tool entstanden, das die Algorithmen des HEDD um Meilen schlägt. Nebst der bekannten Trioden-, Pentoden- und Bandmaschinen-Färbung haben sie ein zusätzliches Modul erfunden, welches beim Cranesong Wandler nicht vorkommt. Zudem haben sie bei jedem Modul einen «Flavour» Regler hinzugefügt, mit dem Du den Charakter der Bearbeitung einstellen kannst. Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, kannst Du das Plugin auch im M-S Modus betreiben, was die Möglichkeiten der Bearbeitungen fast ins grenzenlose katapultiert.

 

Übersicht des Saturation Plugins Aroma

Das Plugin ist sehr schlicht aufgebaut. Kein 3D-Schnick-Schack, keine fotorealistische GUI, keine knalligen Farben. Es ist übersichtlich und fürs Auge angenehm anzuschauen.

 

Aroma Stereo Version

Aroma-Plugin-Stereo

Aroma M-S Version

Aroma-Plugin-MS

Das Plugin «Aroma» ist ein sehr vielseitiges Tool. Es hat meine anderen Saturations-Werkzeuge verdrängt und wird in meiner Mastering-Kette sicher öfters anzutreffen sein.

Im folgenden Video erfährst Du was Du mit dem «Aroma» alles anstellen kannst.

 

 


 

Interview mit den Machern

Thomas Rehaag und Markus Medau sind die Köpfe hinter dem neuen Plugin «Aroma». Ich hatte das Glück ihnen ein paar Fragen über ihr Saturations-Tool stellen zu dürfen:

 

Hallo Thomas, hallo Markus. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Sättigungs-Plugin herzustellen?

Markus: «Die Idee lebt bei uns schon seit vielen Jahren. Es gab hier auch bereits Prototypen in 19” Gehäusen und Test-Plugins, mit denen man sehr gezielt einzelne Obertöne beeinflussen konnte. Letztlich geht es aber um den Wunsch, beim Mastering den schönst möglichen Klang zu erreichen.»

 

Wer war in das Projekt involviert?

Thomas: «Das Plugin entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen ISMPloytec und Andreas Balaskas vom Masterlab in Berlin»

 

Was veranlasste euch das Plugin zu entwickeln, obwohl der Markt schon viele Sättigungstools zur Verfügung stellt?

Markus: «Fasziniert hat mich der Cranesong HEDD, den ich irgendwann entdeckt hatte. Da ich ProTools nur starte wenn Musikerkollegen die DAW brauchen, kenne ich die Tools der Avid Welt nicht besonders gut. Im VST Bereich hat mich bislang nichts richtig überzeugen können. Das mag aber an mir liegen.»

 

Weshalb der Cranesong HEDD als Vorbild?

Markus: «Der HEDD ist ein tolles Gerät, welches aber auch seinen Preis hat. Es handelt sich in erster Linie um einen sehr hochwertigen A/D D/A Wandler.»

Thomas: «Da stellt sich die Frage: Was wäre, wenn man Salt, Pepper und Sugar – so werden die Bänder Triode, Pentode und Tape in den USA gerne von den Mastering-Gurus genannt – in die Richtungen drehen kann die sich bei uns in früheren Experimenten als gut herausgestellt hatten? Was passiert, wenn man nicht nur zwischen weißem und schwarzen Pfeffer wählen kann, sondern auch noch einen ultra-scharfen Chili zur Verfügung hat? Und was kann man am Ende damit anstellen wenn es den M/S Modus beherrscht?»

 

Könnt ihr die Charakteristiken der einzelnen Module beschreiben?

Salt:

Markus: «Das Modul Salt ist wie bei einer guten Mahlzeit essentiell. Es dient als Geschmacksverstärker. Doch du musst aufpassen. Allzu schnell wird die Suppe versalzen. Salt arbeitet mit geraden und ungeraden Harmonischen Verzerrungen und ist fürs Leben im Sound verantwortlich. Wie bei allen Modulen, ist der Klang abhängig von der Signal-Lautstärke.»

Pepper:
Thomas: «Pepper ist das meistgehandelte Gewürz der Welt. Auch beim Plugin Aroma ist dieses Modul das wichtigste. Es würzt die Musik und macht sie griffig. Pepper arbeitet mit ungeraden Harmonischen Verzerrungen. Die Geschmacksstärke kannst du mit dem Flavour-Regler beeinflussen. Pepper macht deinen Sound luxuriös und warm. Wenn du es aber übertreibst, fängt er an zu kreischen.»

Sugar:
Markus: «Sugar beschreibt die warmen Eigenschaften eines Tonbandes. Dieses Modul klingt weich und voll. Die Kompression ist frequenzabhängig und der Charakter einstellbar zwischen steinhart und honigsüss.»
Thomas: «Sugar ist das einzige Modul, welches mit Filtern arbeitet. Alle anderen Module arbeiten über das gesamte Frequenzspektrum».

Chili:
Markus: «Chili-Pfeffer ist scharf. Das Modul kann deine Musik richtig heiss machen. Höllisch scharf und zugleich himmlisch köstlich. Auch dieses Modul arbeitet mit ungeraden Harmonischen.»

 

Warum klingt euer Plugin besser als diejenigen der Konkurrenz?

Thomas: «Das ist in erster Linie Geschmackssache. Zum zweiten kennt niemand alle Plugins.
Vorteil hier ist, dass mehrere Nichtlinearitäten wie beim HEDD in Reihe geschaltet werden und sich ergänzen. Der Rest ist eigentlich «state of the art» und dabei keine Fehler gemacht.»

Markus: «Hoffen wir zumindest.» (lacht)