Reamping und Silent Recording mit deinem Röhrenverstärker


In diesem Video zeige ich dir, wie Du mit Hilfe von Impuls Antworten (IR’s) von Gitarrenlautsprechern deinen Verstärker während des Recordings voll aufdrehen kannst, ohne dir gleich die Nachbarschaft zum Feinde zu machen.

Dazu verwende ich die Impulse Antworten von cab-IR.eu. Diese Manufaktur stellt hochqualitative Impulsantworten zahlreicher klassischer Gitarrenboxen her. Die verwendeten Mikrofone sind von erster Güte und wurden akribisch vor die Box platziert um Phasenauslöschungen zu vermeiden.

 

 


 

Grundlagen

Eine Impulse Antwort ist nichts anderes als ein Fingerabdruck eines Frequenzganges abhängig von der Zeit. Am Bekanntesten sind so genannte Faltungshalle. Das sind Plugins, die echte Hallräume simulieren. Im Gegensatz zu algorithmischen Reverbs, die den Hall anhand von Delays aus dem Originalsignal berechnen, funktionieren Faltungshalle subtraktiv. Das heisst, dass der Faltungs-Hall die gesamten gespeicherten Rauminformationen als Ausgangsmaterial benutzt und diese dem Frequenzverlauf des Originalsignals anpasst. Somit entstehen sehr natürlich klingende Räume und diese können kaum von einem echten Hall in einer natürlichen Umgebung unterschieden werden.

Diese Technik funktioniert natürlich nur bei statischen Signalen. Röhren oder Transistoren, deren Frequenzbild sich je nach Eingangs Pegel des Instruments ändern, kann man nicht als Impuls Antwort abspeichern. Gitarrenboxen eignen sich jedoch hervorragend dazu, um Impuls Antworten herzustellen. Dazu verwendest Du verschiedene Rauschgeneratoren und «Sweeps» um das Ansprechverhalten und den Charakter der jeweiligen Box einzufangen. Diese nimmst Du über den Lautsprecher mit unterschiedlichen Mikrofonen auf und speicherst sie als wav-Datei ab.

 

Setup

Um deinen Verstärker lautlos aufnehmen zu können, brauchst Du folgendes:

Einen Verstärker, an dem sich keine fest verkabelte Gitarrenbox befindet. Das heisst ein Top-Teil oder einen Combo mit auswechselbarem Lautsprecher.
Eine D.I. Box mit Speaker Level Input um das Verstärkersignal in den Computer zu routen. Das heisst, dass die DI Box zwischen dem Lautsprecherausgang des Gitarrenverstärkers und der Gitarrenbox platziert werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen DI Boxen, die zwischen dem Instrument und dem Verstärker-Input eingeschlauft werden.
Einen Power Soaker, damit die Röhren an einem Widerstand hängen und nicht infolge eines Kurzschlusses durchbrennen. Einige Power Soaker oder Atteunatoren, also Leistungsverbrenner, besitzen einen Line Ausgang. Somit kannst Du eine konventionelle DI-Box benutzen, um dein Line Signal in einen Mikrofonpegel umzuwandeln. Wichtig ist, dass der Attenuator eine Dummy Funktion hat, die es erlaubt den Verstärker ohne Box zu betreiben.
Eine DAW mit einem Faltungshall-Plugin, welches externe Impuls Antworten laden kann. Es gibt auch kostenlose IR Player Plugins auf dem Markt. So zum Beispiel NadIR von IGNITE AMPS oder LeCab2 von LePou.

 

Aufbau

Der Aufbau der einzelnen Teile sieht folgendermassen aus:

Die Gitarre steckst Du in den Verstärker.
Aus dem Lautsprecherausgang gehst Du in die DI Box.
Über den THRU Ausgang der DI-Box schliesst Du den Dummie an.
Aus der DI Box ziehst Du ein Kabel in deinen Mikrofonverstärker, der mit der Soundkarte verbunden ist.
In der DAW wählst Du die kürzeste Latenz und lädst einen Faltungshall Plugin oder einen IR Player auf die aufzunehmende Spur.
Ins Plugin lädst Du eine Cabinet IR.
Du schaltest nun die Spur scharf. Wichtig ist, dass Du «Software Monitoring» in deiner DAW einschaltest und das Monitoring über die Soundkarte ausschaltest, ansonsten hörst Du den direkten Sound des Gitarrenverstärkerausgangs ohne Box zum bearbeiteten Signal dazu gemischt.

cabir Aufbau Speed Up

Fazit

Diese Aufnahmetechnik für Gitarren hat viele Vorteile. Erstens machst Du keinen Lärm und Zweitens kannst Du im Nachhinein die Cabinets wechseln. Der rohe Röhrensound bleibt bestehen und Du kannst mit Mikrofonen und Lautsprecher viele verschiedene Nuancen erzeugen. Zudem spart dieses Aufnahmeverfahren Zeit und Platz, da Du nicht jedes Mal deinen Verstärker neu platzieren und abmikrofonieren musst.

 

Das schreibt der Hersteller