Dangerous Music Bax vs UBK Clariphonic


Heute lasse ich 2 spezielle Stereo Equalizer gegeneinender antreten. Den Bax von Dangerous Music und den Clariphonic von UBK Kush Audio. Beide EQs haben für den linken und den rechten Kanal je 2 Bänder die im Shelf Modus arbeiten. Bei einem Shelf-Filter (auch Kuhschwanzfilter genannt), wird unterhalb (Low-Shelf) oder oberhalb (High-Shelf) einer einstellbarer Frequenz alles gleichmässig angehoben oder abgesenkt.

 

High Shelf Filter (Kuhschwanz)

 

Low Shelf Filter (Kuhschwanz)

 

Die beiden Equalizer unterscheiden sich jedoch in der Funktionsweise, deshalb habe ich nur die Einstellungen getestet, die bei beiden Equalizern mehr oder weniger identisch reproduzierbar sind. Dafür habe ich mich des Q-Clone Plug-Ins von Wave bedient, um auch visuell eine Angleichung der beiden Equalizereinstellungen machen zu können. Schauen wir uns mal die Eigenheiten beider Equalizer an.

 

Dangerous Music – Bax Equalizer

Der Bax EQ bedient sich einer Equalizer Technik die in den 50er Jahren von Peter J. Baxandall entwickelt wurde und in Hunderttausenden von Hi-Fi Anlagen ihre Verwendung findet. Jeder Kanal besitzt je ein Low-Shelf und ein High-Shelf Filter, bei dem man verschiedene Frequenzen einstellen kann. Er hat noch je einen einstellbaren Low- und Hi-Cut, ein Filter, mit dem Höhen oder Bässe abgeschnitten werden können. Der EQ besitzt gerastete Potis in 0.5dB Schritten, was den Vorteil hat, dass man eine schon mal benutzte Einstellung perfekt reproduzieren kann. Ausserdem ist man 100 prozentig sicher, dass beide Kanäle gleich bearbeitet werden, somit ist er auch fürs Mastering geeignet. Kurz gesagt: Mit dem Bax EQ kann man Bässe oder Höhen ab einer wählbaren Frequenz anheben oder absenken und/oder diese ganz abschneiden.

 

 

Dangerous Music Bax

 

Kush Audio -Clariphonic

Auch der Clariphonic besitzt für jeden der beiden Kanäle zwei Filter, doch es sind beides High-Shelf Filter, wobei eines der beiden Filter zwischen Bell-Filter «Tight» und Hi-Shelf-Filter «Diffuse» umgeschaltet werden kann.

Bell Filter (Glockenfilter)

 

Die ganz spezielle Eigenheit des Clariphonic ist, dass man Frequenzen nur anheben kann. Ein Absenken ist nicht möglich. Der Clariphonic ist ein paralleler Equalizer. Das Eingangssignal wird so geteilt, dass drei identische Signale entstehen. Das erste Signal wird ohne Bearbeitung direkt zum Ausgang weitergeleitet. Das zweite und das dritte Signal werden parallel durch je einen der beiden High-Shelf Filter geführt.

Das erste Filter kann wahlweise als Shelf- oder als Bell-Filter verwendet werden und deckt zwei Frequenzen ab. Das zweite Filter ist ein Hi-Shelf Filter und deckt vier Frequenzen ab. Der Clariphonic hat keine gerasterten Potis, weshalb eine exakte Nachbildung einer Einstellung nicht möglich ist. Auch kann man den linken und den rechten Kanal nicht verlinken. Das wäre ein tolles Feature welches Kush Audio bei einer Revision einbauen könnte. Die Frequenzen des Clariphonic hören auf seltsame Namen wie «Lift» (800Hz) und «Open» (3kHz) im tieferen Filter und «Presence» (5kHz), «Sheen» (9kHz), «Shimmer» (19kHz) und «Silk» (39kHz) im höheren Filter. Das ist aber vielleicht auch gut so, denn der Clariphonic ist kein analytischer Equalizer. Er ist sehr intuitiv und musikalisch.

 

Kush Audio Clariphonic

Als Soundbeispiel habe ich einen Mix der Band P-Jay verwendet. Der Song ist nicht gemastert, somit habe ich noch genug Headroom, um mit den Equalizern zu arbeiten.

 

Fazit

Der Bax Equalizer hat im Gegensatz zum Clariphonic einen härteren Klang. Er färbt das Signal weniger und ist meiner Meinung nach eher für den Mixdown, als fürs Tracking benutzbar. Die Haptik der Knöpfe und Schalter ist sehr gut und man kommt durch die limitierten Einstellungsoptionen schnell ans Ziel. Ein Pluspunkt ist auch, dass der Bax Frequenzen absenken kann und gerasterte Potis hat, um genaue Einstellungen reproduzieren zu können. Alles in allem ist der Bax ein sauber klingender Equalizer um letzte Frequenzänderungen zu machen und das Signal aufzupolieren.

Der Clariphonic ist in erster Linie ein musikalischer Equalizer. Man braucht ihn nicht um Fehler im Frequenzverlauf zu korrigieren. Er ist lediglich da um das Signal aufzufrischen. Der Clariphonic fügt den gewissen Glanz und die Luft hinzu, die wir von grossen Produktionen her kennen. Die Potis und die Schalter liegen gut in der Hand und die Bedienung ist sehr intuitiv. Leider hat der Clariphonic kein Bass-Band und die Potis sind auch nicht gerastert, doch man kann ihn sehr gut einstellen und deshalb ist er auch für die Summenbearbeitung geeignet. Den Bassbereich kann man meiner Meinung nach mit einem dritten Equalizer bearbeiten, dazu nehme ich vorwiegend den VOG (Voice of god) von Little Labs oder den Helios Type69 EQ.

Obwohl der Bax Eq flexibler ist und man sicher mehr damit anstellen kann, ist der Clariphonic meine erste Wahl. Er bringt genau dieses Hi-Fi Feeling in meine Musik, das ich suche. Da ich diverse gute Software Equalizer besitze, spielt es für mich keine Rolle, ob ich Frequenzen absenken kann oder nicht. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, doch schliesslich hat jeder seinen eigenen Workflow und ich kenne manchen der den Bax dem Clariphonic vorgezogen hätte.