Wie Du eine Kick richtig komprimierst


Der Song ist fertig aufgenommen, editiert und geputzt, nun geht es ans Mischen. Man ist nun beim Schlagzeug angelangt und denkt: „Lass uns mal die Bass Drum komprimieren, dann klingt sie fetter!“. Ist das denn tatsächlich so? Was wollen wir überhaupt mit einer der Bass Drum Kompression bezwecken.

 

 

Was macht ein Kompressor?

Als erstes müssen wir uns mal vor Augen führen, was ein Kompressor überhaupt macht. Der Kompressor bearbeitet die Dynamik eines Audiofiles. Unter Dynamik versteht man den Schalldruckunterschied zwischen den lauten und den leisen Stellen eines Instrumentes, einer Stimme oder was wir nun komprimieren wollen. Wir fokussieren uns auf den Millisekunden Bereich, nicht auf die Lautstärkenunterschiede zwischen Strophe und Refrain eines Songs. Zum Beispiel gibt es in einem gesprochenen Satz grosse Lautstärkeschwankungen. Ein ausgesprochenes „T“ tönt lauter als ein „M“, ein „A“ lauter als ein „U“. Mit einem Kompressor kann man die Dynamik nun eingrenzen, beziehungsweise das Verhältnis zur lautesten und leisesten Stellen verändern.

Ein Kompressor macht also das Material leiser, aber nicht das Gesamte, sonst könnte man einfach den Lautstärkeregler bedienen. Der Kompressor arbeitet zeitabhängig. Man kann ihm sagen ab wann er ein Signal leiser machen soll, wie lange und wie stark.

 

Die Parameter

Schauen wir uns mal die verschiedenen Parameter eines Kompressors an. Wir benützen in unserem Beispiel den C1 von Waves, da er alle benötigten Parameter hat. Natürlich kann man auch andere Kompressoren zur Hand nehmen wie der „SV-315“ von Sonalksis oder die „Oxford Dynamics“ von Sonnox. Viele DAW’s wie zum Beispiel Logic oder Cubase haben integrierte Kompressoren die genau so funktionieren wie der Kompressor in unserem Beispiel.

 

 

Sonalksis SV315MKII

 

Logic X Kompressor

 

Waves C1 Kompressor

 

1.    Attack:

Dieser Parameter bestimmt die Zeit die vergeht bis der Kompressor nach Überschreitung des Thresholds (Erklärung weiter unten) einsetzt. Bei sehr kurzen Attackzeiten reagiert der Kompressor schon bei kurzen Impulsen wie z.B. Perkussionsinstrumenten. Bei längeren Attackzeiten muss über eine längere Zeit ein lautes Signal anliegen, damit der Kompressor reagiert.

2.    Release:

Dieser Parameter bestimmt die Zeit die vergeht bis der Kompressor aufhört das Signal zu bearbeiten.

3.    Threshold:

Dieser Parameter bestimmt ab welcher minimalen Lautstärke der Kompressor zu arbeiten beginnt. Wird der eingestellte Wert überschritten, beginnt der Kompressor die Lautstärke zu reduzieren.

4.    Ratio:

Dieser Parameter bestimmt wie stark in das Signal eingegriffen, respektive wie stark das Audiomaterial vom Kompressor bearbeitet (leiser gemacht) wird. Die Ratio wird immer in einem Verhältnis angegeben. Z.B. bedeutet 4:1, dass alles was über dem eingestellten Thresholdwert liegt, in diesem Verhältnis leiser gemacht wird. Hat man ein Signal, dass 12dB über dem Threshold liegt wird es nach dem Kompressor nur noch 3dB über dem Thresholdwert liegen. (12dB : 4 = 3)

5.    Gain/Makeup:

Dieser Parameter macht das ganze bearbeitete Signal lauter. Da wir das Audiosignal mit dem Kompressor leiser machen, können wir am Ende alles um die zuvor komprimierte Dynamik erhöhen. Das heisst, wenn wir um 6dB komprimieren, können wir am Schluss das ganze Signal um 6dB erhöhen. Deshalb hat der Laie oftmals das Gefühl, der Kompressor mache das Audiofile lauter, doch das Gegenteil ist der Fall. Der Kompressor macht das Audiosignal leiser und dieses wird nach dem Komprimieren wieder lauter gemacht. Weil die Dynamik bearbeitet wurde, hat man nun das Gefühl, das Signal sei lauter.

Es gibt noch weitere Parameter, die uns aber für unser Beispiel nicht interessieren:


6. Knee:

Dieser Parameter bestimmt wie hart der Kompressor einsetzt. Man kann zwischen Soft- und Hard-Knee wählen. Beim Hard-Knee setzt der Kompressor nach Überschreiten des eingestellten Thresholds mit der eingegeben Ratio sofort ein. Beim Soft-Knee hingegen, ist der Einsatz langsamer. Er komprimiert stärker, je lauter das Signal wird. Auch beginnt der Kompressor unter dem eingestellten Threshold leicht zu komprimieren. Je nach Stärke des Knees setzt der Kompressor direkt nach dem eingestellten Threshold ein (Hard) oder es wird erst bei deutlicher Überschreitung des Thresholds  die volle Ratio angewendet (Soft).

 

Hard Knee
Soft Knee

 

 

 

 

 

 

 

7. Auto Gain:

Dieser Parameter gleicht die Lautstärke automatisch an.

8. Auto Attack/Release:

Diese Parameter passen den Attack/Release des Kompressors dem Audiomaterial automatisch an. Diese Funktion braucht man vor allem, wenn Signale mit verschiedenen Transienten und massiven Tonhöhenunterschieden gleichzeitig bearbeiten werden müssen, wie zum Beispiel ein ganzes Schlagzeugset.

9. Side Chain:

Hiermit lässt sich ein Audiosignal mit einer zweiten Quelle bearbeiten. Zum Beispiel hat man einen Pad-Sound welcher immer mehr oder weniger gleich laut ist, komprimiert ihn aber mit einem anderen Steuersignal wie zum Beispiel einer Bass Drum. Jedes Mal wenn die Bass Drum spielt reagiert der Kompressor, es wird jedoch nicht die Bass Drum komprimiert, sondern das eben besagte Pad. Es entsteht dieser typische Dance- Sound-Effekt. Bestes Beispiel ist „Call On Me“ vonEric Prydz. Dieser Effekt wird auch im Radio benutzt. Immer wenn der Sprecher etwas sagt, wird die Musik automatisch leiser. Auch hier wird die Stimme des Moderators als Steuersignal für den Kompressor auf der Musik eingesetzt.

 

 

Bei gewissen Mastering-Kompressoren wird der Side Chain noch mit etwas anderem in Verbindung gebracht. Ist hier der Side Chain aktiviert, werden alle Frequenzen die beispielsweise unter 100Hz (Manley VariMu) liegen nicht ins Steuersignal integriert. Tiefe Frequenzen brauchen mehr Energie um gleich laut empfunden werden als hohe. Deshalb schliesst man diese Frequenzen von der Bearbeitung aus, da sonst die Bässe zu stark auf den Kompressor wirken.

 

 

Wie stellst Du die Bass Drum Kompression nun ein?

 

Kehren wir zu unserer Bass Drum zurück. Man stelle sich vor, wie der Drummer mit der Fussmaschine auf die Pauke schlägt. Als erstes entsteht ein kurzes Geräusch das fast alle Frequenzen aufweist (Transienten), gefolgt von einem tiefen Ton der vom Fell der Kick Drum erzeugt wird. Dieser Ton braucht seine Zeit, bis er sich aufgebaut hat. Nun kommt es nicht selten vor, dass der „Wumms“ zu stark ist und den Rest der Instrumente zudeckt. Oder er ist so laut, dass das Anfangsgeräusch, welches zuständig für die Ortung im Mix und der rhythmischen Position ist, untergeht. Wir wollen also in erster Linie mit dem Kompressor Platz schaffen. Hören und schauen wir uns mal so eine Bass Drum Aufnahme an. (Bitte auf hochwertigen Kopfhörern oder in einer Studioumgebung anhören.)

 

 

 

Man sieht schön wie am Anfang kleine Zähnchen auf der Grossen Welle liegen. Das sind die Transienten, das Anfangsgeräusch. Diese dauern ca. 20ms. Danach baut sich der Bauch der Bass Drum auf und schwingt dann wieder aus. Nach ca. 60-80ms ist die Bass Drum ausgeklungen. Wie man unschwer erkennen kann ist das Signal nach ca. 30ms am Lautesten. Es ist lauter als die Transienten am Anfang. Die sind uns aber sehr wichtig und die wollen wir lauter haben. Die tiefen Frequenzen („Wumms“) wollen wir leiser machen, damit später der Bass auch genug Platz hat.

Wir laden uns also unseren Kompressor in einen freien Slot. Wir stellen den Attack auf 22ms. So wissen wir, dass die Transienten nicht bearbeitet werden. Das Release stellen wir auf 70ms, so grenzen wir die Länge der Bearbeitung ein. Zur Verdeutlichung habe ich die Ratio auf 14:1 gestellt. Das heisst, alles was über dem Threshold liegt wird 14-mal leiser. Das ist sehr extrem und dient nur zur Visualisierung des Effektes. Den Threshold habe ich auf -40dB gesetzt, auch um das Extrem zu Zeigen.

 

 

 

Damit der Effekt nicht so stark ausfällt setze ich die Ratio auf 4:1 und den Threshold auf -25dB. Ausserdem kann ich die Bass Drum um 4 dB lauter machen, da sie an den lautesten Stellen nun leiser ist. Jetzt tönt die Bass Drum präsent und hat immer noch genug Druck.

 

 

 

Was passiert, wenn man den Attack zu kurz macht? Der Kompressor reagiert zu schnell auf die grossen Wellen und setzt schon ein bevor eine ganze Periode durchlaufen ist. Er beginnt die Welle zu köpfen und das ergibt ganz wüste Verzerrungen. Auch wenn das Release zu kurz ist öffnet sich der Kompressor zu schnell und hinterlässt unschöne Artefakte. Hier mal ein Beispiel mit Attack 0.01ms und einem Release von 0.1ms.

 

 

 

Die ganze Wellenform ist entstellt und unbrauchbar als klassische Bass Drum.

Wir treffen aber fast nie eine rhythmisch allein gelassene Bass Drum an. Der Schlagzeuger spielt immer Figuren und in der Dance Musik kommt meistens eine 4-er Pauke zum Zuge. Wir müssen also aufpassen, dass wir das Release nicht zu lang machen, sonst arbeitet der Kompressor noch, während schon der nächste Impuls kommt. Somit ist jeder weitere Schlag leiser als der Erste.

Hier mal eine rohe 4 on 4 Bass Drum im Tempo 120.

 

 

 

Wir werden mal die Bass Drum komprimieren und das Release zu lange einstellen.
Attack 22ms, Threshold -22dB, Ratio 4:1, Release 700ms. Das sieht dann so aus:

 

 

 

Wie Du siehst, ist die erste Bass Drum lauter als die darauffolgenden. Um diesen Effekt noch deutlicher zu zeigen, übertreiben wir mal ein bisschen mit den Einstellungen.
Attack 22ms, Threshold -34dB, Ratio 10:1, Release 700ms:

 

 

 

Wir versuchen nun mal die Parameter richtig einzustellen. Da es sich um dieselbe Bass Drum wie im ersten Beispiel handelt, wissen wir, dass wir den Attack mit 22ms gut gewählt haben. Die Ratio stellen wir wieder auf 4:1 und den Threshold lassen wir bei -22dB. Nun zum Release. Wir haben das Tempo 120. Das heisst, dass in einer Minute 120-mal die Bass Drum angeschlagen wird. Wir rechnen also 60 Sekunden : 120 = 0.5 Sekunden. Also hören wir alle 500ms eine neue Bass Drum. Wir müssen also unter diesen 500ms liegen. Man muss auch noch die Zeit einberechnen die der Kompressor braucht um wieder aufzumachen. Das geht nämlich nicht sofort. Der braucht ein wenig bis er wieder in der Nullstellung ist. Ich habe ein Release von 86ms gewählt. Am besten spielt man ein Bisschen mit dem Parameter rum, bis es einem gefällt.

 

 

 

Bei stärker rhythmisierten Kick Drums, muss man noch subtiler mit dem Release umgehen. Es heisst auch Kompromisse zu finden. Hier die unbearbeitete Version:

 

 

 

Hier mit Attack 22ms, Release 10ms, Ratio 4:1, Threshold -21dB:

 

 

 

Fazit

Um eine Bass Drum richtig zu komprimieren musst du folgende Sachen beachten:

  1. Lass dem Kompressor genug Zeit um die Transienten durchzulassen. Richtwert ist zwischen 20 und 30 ms. Bei Drum Maschinen kann es manchmal auch länger dauern.
  2. Lass dem Kompressor Zeit um auszuschwingen, sonst bearbeitest du schon die nächste Kick. Richtwert ist zwischen 10ms und 100ms, je nach Tempo des Songs und der Beschaffenheit der Bass Drum. Fange bei 50ms an und schraube bis du das Gefühl hast alle Kicks seinen gleich laut/leise.
  3. Bei einem gespielten Drum setzte den Threshold tiefer an als bei einer elektronischen Bass Drum. Die Dynamik eines Drummers ist ungleich grösser, als die einer Maschine.
  4. Mit der Ratio kannst du den Anteil des „Wumms“ bestimmen. Je kleiner der Wert, desto mehr „Wumms“