Professionelle Background Vocals in 8 Schritten


Background Vocals sind aus der heutigen Pop-Musik nicht mehr wegzudenken. In praktisch jedem Lied wird ein Chor Gesang der Lead Stimme unterlegt. Bei der Produktion musst Du deshalb auf verschiedenstes achten. Es ist nicht wichtig, dass die einzelnen Stimmen eigenständig funktionieren. Das Ziel jeder Sängerin/eines Sängers ist es, unverwechselbar zu sein, so dass man ihre/seine Stimme aus 1000en wiedererkennt. Das ist bei den Background Vocals unerwünscht. Wichtig ist, dass diese im Gesamtbild eingebettet sind, die Hauptstimme unterstützen und nicht aufdringlich wirken.

 

Wie Du gut klingende Background Vocals hinbekommst

Vielmals lohnt es sich auf alternative Sängerinnen und Sänger zurückzugreifen, da diese ein anderes Frequenzspektrum haben und die Formanten (Resonanz-Details welche die Stimme unverwechselbar machen) anders beschaffen sind als bei der Leadstimme. Bei den Background Vocals darfst Du stärker in das Signal eingreifen, da die Stimmen in den Hintergrund gemischt werden. Das heisst aber nicht, dass Du bei der Aufnahme nicht auf Perfektion achten sollst.

Als erstes solltest Du einen grösseren Abstand vom Mikrofon wählen als bei der Leadstimme. Dadurch entfällt der Nahbesprechungseffekt (angehobene Bässe) und die Stimme klingt schon im vornherein weiter weg weil mehr Raumanteil mit aufgenommen wird.

Als zweites solltest Du auf die Intonation der Sängerin/des Sängers achten. Auch wenn es heute sehr gute Programme zur Tonhöhenkorrektur von Audiofiles gibt, ersetzen diese nicht einen gut eingesungenen Part. Meistens sind die Sängerinnen/Sänger zu tief. Da hilft zum Beispiel eine höhere Position des Mikrofons, so dass die Sängerin/der Sänger den Kopf leicht nach oben halten muss. Ausserdem solltest du das Playback ein bisschen lauter machen als beim Lead Vocal Recording. Die Sängerin/der Sänger hat somit eine grössere Kontrolle über die Intonation. Du solltest die erste der Background Stimmen als Referenz nehmen und alle darauffolgenden Aufnahmen in Timing und Phrasierung an die Erste anpassen. Es soll ja aus einem Guss kommen, wie wenn ein Akkord gespielt würde.
Nach der gelungenen Aufnahme gilt es, die Stimmen in den Song einzubetten.

 

Editierung

1. Intonation

Auch wenn die Background Stimmen gut intoniert sind, lohnt es sich diese nochmals mit einem Tonhöhenkorrekturprogramm zu bearbeiten. Oft «schleifen» die Sängerinnen/der Sänger beim Anfang einer Phrase auf den Ton. Am Ende der Phrase ziehen sie vielmals die letzte Note leicht nach unten. Das liegt an unserer Sprache. Wenn wir einen Satz beenden, ziehen wir die Satzmelodie automatisch nach unten. Dies schleicht sich ungewollt auch in unseren Gesang ein. Achte deshalb darauf, dass die Melodien sauber intoniert anfangen und aufhören.

2.  Timing

Damit ein Chor «tight» wirkt, müssen alle Stimmen gleichzeitig aufhören. Das gleichzeitige Einsetzten ist weniger schwierig, doch ist es wichtig, dass die Endungen gut sitzen. Live wird oft ein Noise Gate zur Hilfe genommen. Man lässt alle Stimmen als Gruppe durch das Noise Gate laufen. Wenn die erste Sängerin/der erste Sänger aufhört zu singen fällt der Gesamtpegel der Gruppe und das Noise Gate schliesst, nach unterschreiten des eingestellten Thresholds, automatisch und stellt somit die weiteren Background Stimmen stumm. (Diese Technik wird auch gerne bei Bläsersätzen angewendet.)

Im Studio machst Du das lieber von Hand, es wird genauer und Du kannst jede Phrase individuell bearbeiten. Achte auch darauf, dass alle scharfen Konsonanten die sich am Ende eines Wortes befinden (t,d,g,k,p,etc.), zeitlich an demselben Ort sind. Ansonsten kann es zu komischen Endungen kommen. Wenn beispielsweise das Wort «Musik» im Text vorkommt und die Background Stimmen nicht zusammen artikulieren entsteht ein Stottereffekt (Musik-k-k). Schneide die Konsonanten aufeinander.

Gute Sängerinnen/Sänger lassen sogar die scharfen Konsonanten weg bei den Dopplungen. Sie singen sie nur bei einer der Background Stimmen. Falls sie synchron zur Lead Stimme singen, lassen sie sogar alle scharfen Konsonanten weg.
Dasselbe gilt für Zischlaute (s, sch, z, f, etc.). Diese sind in der Regel immer gleich laut, egal ob die Sängerin/der Sänger laut oder leise singt. Das liegt daran, dass keine Stimme im Konsonant vorkommt, man kann Zischlaute deshalb auch nicht intonieren. Sie summieren sich wenn sie übereinander liegen und werden lauter als Vokale. Du kannst die Zischlaute ohne weiteres rausschneiden, solange eine einzelne Stimme diese singt.

Im Gegensatz zur Lead Stimme, kannst Du auch die Atemgeräusche der Background Vocals rausschneiden oder in der Lautstärke absenken. Es braucht sie nicht und so hast Du mehr Platz für den Rest der Musik. Achte penibel darauf, dass die Background Vocals nach den Lead Vocals einsetzten. Benütze die Lupe Deiner DAW um das zu kontrollieren. Es klingt unnatürlich wenn die Backings vor dem Leadgesang einsetzen. Falls dem doch so sein sollte, verschiebe die ganze Phrase um ein paar Millisekunden damit die Leadstimme als Erste anfängt.

 

Mischung

3.  Frequenzbearbeitung

Nach der Editierung der Stimmen geht es darum den Sound der Background Vocals anzupassen. Gehe jede Spur durch und senke unerwünschte Resonanzen in der Stimme mit dem Equalizer ab. Du kannst auch grosszügig die tiefen Frequenzen wegschneiden (bis ca 150Hz).

4.  Lautstärkeanpassung

Wichtig ist auch, dass alle Stimmen gleich präsent sind. Automatisiere die Laustärken jeder einzelnen Spur von Hand oder benütze ein Plug-In wie zum Beispiel den «Vocal Rider» von «Waves».

5.  Stereobild

Verteile nun die Stimmen im Panorama, damit sie den Lead Vocals nicht in die Quere kommen. Schaue, dass Du ein ausgewogenes Klangbild schaffst. Das heisst, nicht alle tiefen Stimmen links und alle hohen Stimmen rechts. Mische sie und  versuche ein homogenes Frequenzspektrum hinzubekommen. Die Positionierung der Background Stimmen ist Genre- und Geschmacksabhängig. Bei R’n’B wird schon mal ganz hart links und rechts gepannt. Bei Hard Rock eher nicht.

6. Kompression/De-Essing

Route nun die Stimmen zusammen auf eine Gruppe, so dass Du nur noch einen Stereo Kanal hast auf dem alle Backings sind. Nun kannst Du die Stimmen mit einem Kompressor bearbeiten. Anstelle eines Stereo Kompressors nutze ich meistens einen dual Mono Kompressor. So werden der linke und der rechte Kanal unabhängig voneinander komprimiert und es ergibt sich ein natürlicheres Klangbild.

Du kannst die Background Stimmen stärker komprimieren als die Lead Vocals. Mehr Dynamik bedeutet mehr Aufmerksamkeit. Diese überlassen wir lieber der Hauptstimme und glätten die Background Vocals stärker, damit sie mehr in den Hintergrund rücken und nicht mit dem Lead Gesang konkurrenzieren. Durch die Kompression sind nun die S-Laute präsenter. Benütze einen De-Esser um die zu scharfen Laute abzuschwächen.

Tiefenstaffelung

7. Höhenbearbeitung

Hohe Frequenzen transportieren weniger Energie als tiefe. Je weiter weg eine Schallquelle ist desto mehr hohe Frequenzen werden von der Luft absorbiert. Das heisst, Du kannst die Höhen mit einem Low-Pass-Filter leicht beschneiden. So scheinen die Stimmen weiter weg zu sein.

8. Hall und Raum

Um die Background Stimmen zusätzlich in den Hintergrund zu rücken verwendest Du ein Hallgerät. Um das Hallgerät richtig einstellen zu können solltest Du Dir die Stimmen bildlich im Raum vorstellen. Je weiter sie weg sind umso kürzer wird das Pre-Delay. Das sind die ersten Reflektionen der Wände und der Decke. Ist eine Schallquelle nahe bei Dir hörst Du den Direktschall bevor die ersten Reflektionen bei Dir eintreffen.

Je weiter weg die Schallquelle ist, desto kürzer wird der Abstand zwischen dem Direktschall und den ersten Reflektionen. Die Länge der Hallfahne bestimmt wie gross der Raum ist in dem die Backings stehen. Verwende nicht zu viel Hall, da dieser beim Mastering durch die Kompression und der Limitierung in den Vordergrund geschoben wird.

 

Fazit

Nimm Dir die Zeit um die Background Vocals perfekt hinzubekommen. Nur so werten sie Deinen Song auf. Schlecht aufgenommene und unsauber editierte Background Vocals schaden dem Song mehr, als dass sie ihm nützen. Gute Beispiele für perfekte Background Vocals findest Du bei den «Eagles» oder den «Bee-Gees», und diese Bands hatten zu ihrer Zeit noch keine Möglichkeit samplegenau zu editieren oder Tonhöhenkorrekturen vorzunehmen.