10 Tipps für einen besseren Mix


Da man heutzutage für wenig Geld gutes Equipment für die Musikaufnahme und Mischung erhält, ist die Versuchung gross alles im Alleingang zu machen. Als angehender Produzent und Soundtüftler kannst Du Deine fertigen Mixes zur finalen Bearbeitung einem Mastering Ingenieur geben. Im Mastering kann noch vieles gerettet und poliert werden, vor allem wenn der Mastering Ingenieur «Stems» fürs Mastering erhält. Beim «Stem Mastering» erhält der Mastering Ingenieur mehrere Audiodateien mit einzelnen Instrumenten oder Instrumentengruppen (z. B. eine Spur Schlagzeug, eine Spur Bass, eine Spur Harmonieinstrumente, eine Spur Vocals), anstelle von einer einzelnen Stereo Datei. Somit kann noch einiges angepasst werden. Doch es ist wie überall: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endprodukt. Hier habe ich dir 10 Mix Tipps aufgelistet, damit Du deinen Song perfekt zu Ende zu stellen kannst.

 

 

1. Zu viel Bass

Das ist einer der häufigsten Fehler. Das Problem ist meistens in der Raumakustik zu finden. Ist der Regieraum nicht akustisch optimiert, entstehen stehende Wellen die sich gegenseitig aufschaukeln oder auslöschen. Diese stehenden Schallwellen nennt man Raummoden. Aus diesem Grund sind eventuelle Bassresonanzen nicht hörbar und andere wiederum viel zu laut. Ist der Bassbereich eines Stückes zu dominant, überdeckt er gewisse Frequenzen und der Klang wird matschig. Ausserdem braucht der Bass viel mehr Energie als Frequenzen in höheren Lagen. Der Mastering Ingenieur wird in diesem Fall den Mix nicht laut hinbekommen, ohne die Bässe einzugrenzen und abzusenken. Wie so oft gilt hier: Weniger ist mehr.

 

In diesem Beispiel ist der Bass, im Verhältnis zum Rest des Stückes, viel zu laut.

 

2. Zu viele Höhen

Der Trend zu seidigen Höhen ist gross. Jeder strebt nach einen schönen Anteil «Luft» in seinen Mixes. Natürlich möchte man im Mastering diese Höhen zum Glänzen bringen, doch wenn beim Mixdown schon zu viele hohe Frequenzen reingedreht werden, fangen diese beim Mastering an zu kreischen, und es wird sehr schnell unangenehm für den Zuhörer. Du kannst dem entgegenwirken, in dem Du auf den Stimmen (übrigens auch bei Hihats und hohen Bläsern) einen «De-Esser» benützt und die Höhen nicht zu stark anhebst.

3. Zu wenig Dynamik

Viele Produzenten arbeiten mit Samples. Diese sind in der Regel schon bearbeitet. Somit ist das Audiomaterial vorkomprimiert und die Frequenzen wurden ausgebessert. Es macht in diesen Fällen selten Sinn, nochmals mit Kompressoren zu arbeiten, da die Dynamik (Unterschied zwischen lautesten und leisesten Stellen im Song) schon eingegrenzt wurde. Ganz im Gegenteil, es sollten noch transientreiche Klänge in den Song eingebettet werden.

Bei einem adynamischen Mix sprechen die Geräte des Mastering Ingenieurs nicht an. Ein Kompressor beispielsweise reagiert auf Transienten, (kurze und laute Klangimpulse am Anfang eines Tones). Fehlen diese, ist der beste Kompressor machtlos. Auch Equalizer brauchen Transienten, um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können. Kompressoren und Limiter haben beim Mixdown auf der Summe nichts zu suchen. Beim Mastering wird edelstes Equipment verwendet, deshalb ist es besser, die ganze Summenbearbeitung dem Mastering Ingenieur zu überlassen.

 

Dynamischer Mix
Adynamischer Mix

4. Ungünstiges Panorama

Unerfahrene Tonschaffende messen der Positionierung der Audioquellen zu wenig Bedeutung zu. Durch ein cleveres Panning schafft man jedoch viel Platz im Mix. Hat man beispielsweise eine Gitarre und ein Klavier, welche im gleichen Frequenzspektrum liegen, konkurrenzieren sie miteinander, sofern sie dieselbe Position im Mix haben. Werden die Instrumente links und recht positioniert, erhalten sie mehr Platz und der Song wird erst noch breiter.

Scheue Dich nicht vor starken Panorama Einstellungen. Mittig sollten nur der Bass, die Bass-Drum und der Leadgesang platziert werden. Der Rest wird rund um diese Audioquellen positioniert. Schaue aber, dass der Mix nicht zu sehr links- oder rechtslastig wird und verteile die Schallquellen homogen im Stereofeld. Tipp: Falls eine zusätzliche Spur in einen schon vollen Mix eingefügt werden muss, gibt es einen Trick: Schalte den ganzen Mix auf mono. Drehe nun am Panoramaregler der einzufügenden Spur. Dort wo sie sich am besten durchsetzt, lässt du den Regler stehen. Wenn du den Song nun wieder in Stereo abhörst, hat die neue Klangquelle die richtige Position im Panorama.

 

Monolastiger Mix
Breit gemischter Mix

 

5. Phasenauslöschungen

So elegant die Positionierung im Panorama auch ist, sie hat ihre Tücken. Hast Du verschiedene tieffrequente Instrumente, solltste Du diese nicht allzu sehr ins Panorama rücken. Durch die leicht unterschiedlichen Frequenzverläufe entsteht zwar eine gewisse Tiefe, doch bei einer Mono Abhörsituation löschen sich diese gegenseitig aus und es entstehen üble Kammfiltereffekte. Mono Abhörsituationen gibt es reichlich. Z. B. Küchenradios und gewisse Mobiltelefone. Auch Radios senden schlechtem Empfang in Mono. Ich tendiere dazu, nur einem Instrument die ganz tiefen Bässe zu überlassen (Bass oder Bass Drum).

Eine zweite Gefahr stellen die Laufzeitunterschiede dar. Wird eine Schallquelle mit mehreren Mikrofonen aufgenommen, die in verschiedenen Abständen zur Schallquelle aufgestellt werden, entstehen solche. Das heisst, der Schall des Instrumentes wird zuerst vom einen Mikrofon aufgenommen und danach erst vom Zweiten. Durch die zeitliche Verschiebung der Aufnahme kann es auch hier zu Kammfiltereffekten kommen. Mit einer Phasendrehung von 180° kann hier manchmal Abhilfe geschaffen werden. Ein sehr spezialisiertes Tool dafür wird von der Firma «Little Labs» hergestellt. Es heisst IBP und kann als Hard- wie auch als Software (UAD-2) gekauft werden.

 

Phasengleiches Signal

 

 

Gegenphasiges Signal

 

 

 

6. Zu viel Hall/Delay

Um die Instrumente schön im Raum zu verteilen und ihnen Fülle geben zu können, bedienen wir uns des Hall Effektes (Reverb). Viele Produzenten nutzen anstelle des Halls ein Delay, welches ein Echo erzeugt, das auch eine Räumlichkeit darstellt. Beim Mastering werden jedoch Kompressoren und Limiter eingesetzt, die die Hallfahne und das Echo in den Vordergrund schieben. Es kann deshalb vorkommen, dass das vorher schön räumliche Instrument anfängt, im Effekt zu verschwimmen. Deshalb ziehe vor dem Mastering, das gesamte Reverb/Delay um ca. 3dB runter.

 

7. Externe Peripherie und zeitabhängige Plug-Ins aufnehmen

Nicht Samplebasierte (analoge) Synthesizer und Drumcomputer berechnen jeden gespielten Klang neu. Diese Töne unterscheiden sich bei jedem Durchgang leicht voneinander. Das gibt dem ganzen einen «Human Touch», da jeder Ton anders klingt. Dies hat jedoch den Nachteil, dass bei jedem neuen Abhören, die Signale variieren und eventuell eingebundene Effekte anders reagieren. Dasselbe gilt für Modulationseffekte wie LFOs, Random Effekte, Phaser etc. Das Aufnehmen dieser Instrumente und Effekte als Audiospur versichert Dir, dass der Song jedes Mal, wenn Du ihn abspielst, gleich klingt.

 

8. Lautstärke der Stimmen

Es ist nicht einfach, objektiv zu bleiben. Du kennst die Musik und den Text des Songs auswendig und das macht es schwierig die Lautstärke der Vocals richtig einzustellen. Es gibt Musik, in der die Stimme eher im Hintergrund sitzt (The Police) oder mehr im Vordergrund (Adele). Erfahrene Produzenten machen 2-3 Mixe vom gleichen Song, jeweils mit unterschiedlichen Lautstärken der Hauptstimme. Da im Mastering die Lautstärkeunterschiede der einzelnen Instrumente und Stimmen leicht ändern können, ist das natürlich sehr sinnvoll.

 

9. Verschieden lange «Stems»

Der Mastering Engineer bekommt oft sogenannte «Stems». Stems sind Instrumentengruppen. Häufig werden alle Gitarren eines Songs zu einer Gruppe (Stereospur) zusammengefasst, oder das gesamte Schlagzeug wird dem Mastering Ingenieur in einem Stem übergeben. Somit bekommt er statt mit einer Stereospur 6-8 Einzelspuren und kann somit tiefer in den Gesamtklang des Tracks eingreifen. Diese Spuren müssen natürlich zeitlich absolut präzise aufeinander liegen. Wenn beispielsweise eine Backing Vocals Spur erst im Refrain nach einer Minute einsetzt, muss diese Audiodatei mit einer Minute Stille beginnen. Ich setzte am Anfang jedes «Stems» einen kurzen Impuls (Klick), um die Audiodateien auch optisch samplegenau aufeinander setzten zu können.

 

10. Einseitige Abhörsituation

Jeder Raum hat seine Moden. Mischst Du einen Song, werden die Eigenheiten des Raumes mit in die Mischung aufgenommen. Es ist deshalb unerlässlich seinen Mix auf vielen verschiedenen Anlagen zu hören. Ein Song klingt im Auto absolut anders als im Wohnzimmer. Ein Clubmusik Produzent tut gut daran, seine Musik auf grossen Lautsprechern in einem Club zu testen und ein Pop Produzent sollte seine Songs auf dem Küchenradio anhören.

Das Wichtigste ist immer noch, die eigenen Ohren zu gebrauchen und nicht visuell zu arbeiten, obwohl die Verlockung gross ist. Wichtig ist auch, nicht in eine Routine zu verfallen. Jede Kompressor- oder Equalizereinstellung ist verschieden. Betrachte jeden Klang als ein einmaliges Ereignis und überlege immer zwei Mal ob es den von Dir ausgewählten Bearbeitungsschritt braucht oder nicht.